Unser größtes Organ.
Wir schützen es.


Aufbau und Funktion der Haut

Die Haut ist mit einer Fläche von 1,5-2 m2 und einem Gewicht von 7-10 kg das größte Organ unseres menschlichen Körpers. Die Haut ist komplex aufgebaut und erfüllt als Speicherorgan, Wärmeregulator, Absonderungsorgan, Aufnahmeorgan, Stoffwechselorgan und Empfindungsorgan vielfältige Funktionen. Ferner ist sie an der Bildung von Immunantworten bzw. Immunfunktionen sowie der Blutdruckregulation beteiligt.

Die Haut ist in drei Schichten unterteilt:

  1. Epidermis = Oberhaut
  2. Dermis = Lederhaut
  3. Subcutis = Unterhaut

Epidermis = Oberhaut

Die Epidermis, bildet die Grenzfläche des menschlichen Körpers zur Umwelt. Die Epidermis ist ein klassisches Proliferationsgewebe, d.h. sie unterliegt einer dauernden Erneuerung.

Die unterste Schicht der Epidermis ist die Basalzellschicht (Stratum basale = besteht aus einer Schicht, die Zellen sind würfelförmig). Hier erfolgt die Zellteilung und Neubildung der Zellen. Von hier aus wandern die Zellen langsam durch weitere Schichten in Richtung Hautoberfläche. Die Übergänge zwischen den Hautschichten sind fließend. Die Wanderung der Zellen von der Basalzellschicht bis zur Oberfläche dauert in der gesunden Haut etwa 28 Tage.

Die erste Zellschicht, die sie erreichen ist die Stachelzellschicht (Stratum spinosum). Hier (Stratum spinosum = besteht aus vielen Schichten, die Zellen sind spindelförmig und flachen ab) sind die Zellen mit multiplen „stachelartigen“ Intrazellularbrücken (Desmosomen = enge stäbchenförmige Verbindungen, sie sind verantwortlich für die mechanische Stäbilität der Haut) verbunden. Das Aussehen und die Verbindungen der Zellen verleihen dieser Schicht Ihren Namen. Die Zellen sind von hier bis zur Hautoberfläche von einem „Zellkitt“ oder „Zellmörtel“, der extrazellulären Lipidmatrix, umgeben. Die extrazelluläre Lipidmatrix besteht hauptsächlich aus Lipiden (Fette) und Proteinen (Eiweiße).

Die nächste Schicht ist die Körnerzellschicht (Stratum granulosum = besteht aus ein bis mehreren Lagen, die Zellen sind deutlich abgeflacht). Die Körnerzellen enthalten harte Eiweißkörper von körnchenartiger Struktur. Daneben entwickeln sich „harte“ Fibrillen (Proteine = Eiweiße – hier Kollagen), die für die Vernetzung der Keratinfilamente verantwortlich sind. Die Zellkerne degenerieren und samt der intrazellulären Strukturen werden sie in die extrazelluläre Matrix ausgeschleust. Hier erfolgt die Umwandlung von lebende in tote Keratinozyten (Hornzellen).

Die äußerste Schicht ist die Hornschicht (Stratum corneum = besteht aus ca. 120 – 150 Lagen, die Zellen sind sehr flach). Die unterste Lage dieser Hautschicht ist die Glanzschicht (Stratum lucidum) – sie ist durch einen lichtbrechenden Effekt charakterisiert. Hier sind die Zellen dicht gepackt. Die Schichten sind fett- und eiweißreich. Auf diese Weise schützten sie vor dem Eindringen von Wasser und vor Wasserverlust aus der Tiefe (enthalten sind: Ceramide, Cholesterol, Cholesterolester, Fettsäuren).

Hautzellwanderung

Je weiter die Zellen in Richtung Oberfläche wandern, desto mehr lockert der Zellverband auf. Die extrazelluläre Lipidmatrix bricht teilweise auf. Haben die Zellen die äußere Lage der Hornschicht erreicht, werden die Zellen (Schuppen) unmerkbar abgestoßen. Die Dicke der Hornschicht beträgt ca. 40% der Oberhaut (Epidermis).

Das Besondere an der Epidermis

Die Epidermis weißt keinerlei Blutgefäße auf. Die Nährstoffe gelangen aus den Gefäßen der Lederhaut (Dermis) per Diffusion (langsames Ausbreiten) in die Hautschichten ohne Blutgefäße. Der nach und nach in Richtung Oberfläche versiegende Nährstoffstrom ist einer der Gründe für das Sterben der Zellen in der Epidermis.

Die Barrierefunktion der Epidermis

 

Eine gesunde Hornschicht vermittelt die notwendige Barrierefunktion. Darin liegt auch der starke Abfall des Wassergehaltes der Hornschicht im Vergleich zur darunter liegenden Epidermis begründet. Die Barrierefunktion wird vor allem durch die extrazellulären Lipide erfüllt, die zwischen den Hornzellen eingelagert, aber auch mit der Hornhülle verbunden sind. Schädigende Einwirkungen beeinflussen die Funktionsfähigkeit der Barriere, den Wassergehalt und den transepidermalen Wasserverlust.

Die sogenannte "Hautatmung"

 

Eine Hautatmung im Sinne eines vital nötigen Gasaustausches durch die Haut gibt es nicht. Wasser dampft zwar regelmäßig unmerkbar ab und Gase werden in kleinen Mengen ausgetauscht, aber eine vitale Funktion besteht nicht.

Unter der Epidermis liegt die Dermis = Lederhaut

Die Dermis verleiht der Haut Ihre Reißfestigkeit (Stabilität) und ihre Verformbarkeit (Dehnbarkeit). Sie besteht aus einem dichten Geflecht kollagener und elastischer Fasern. Diese bilden das Bindegewebe. Kollagene Fasern sind für die Reißfestigkeit (Stabilität) der Haut verantwortlich.

In der Jugend können kollagene Fasern reichlich Wasser binden, wobei das Wasserbindevermögen im Alter deutlich abnimmt. Die elastischen Fasern bestehen zum Großteil aus Elastin – einem dehnbaren Protein (Eiweiß) und können im Laufe des Lebens nicht nachgebildet werden. Alle Fasern in der Dermis werden von der extrazellulären Matrix umgeben. Diese Matrix ist gelartig und hält den Wasser- und Elektrolythaushalt, sowie die Elastizität aufrecht. Zu den Bestandteilen der extrazellulären Matrix gehört auch die Hyaloronsäure. Alle Bestandteile haben ein hohes Wasserbindevermögen. Im Alter nehmen die Menge an diesen Bestandteilen und damit das Wasserbindevermögen ab.

In der Dermis befindet sich ein ausgeprägtes Gefäßnetz (Arterien, Venen, Lymphgefäße). Zudem liegen auch quergestreifte Muskeln (beeinflussbar) und glatte Muskeln (unbeeinflussbar) im Bindegewebe.

Die Dicke der Dermis hängt von der Lokalisation ab. Von der obersten Schicht der Dermis (Stratum papillare) reichen Papillen (Zapfen) in die Oberhaut. Diese Vergrößerung der Kontaktfläche zwischen den beiden Zellschichten ermöglicht einen guten Sauerstoffaustausch. Mit zunehmendem Alter werden die Papillen flacher, wodurch die Versorgung durch die Blutgefäße abnimmt. Die Verbindung zwischen Dermis und Epidermis wird schwächer.

Die unterste Hautschicht: Subcuts = Unterhaut

Die Subkutis besteht aus lockerem Bindegewebe mit einer vom Ort abhängigen Anzahl eingelagerter Fettzellen. Man unterscheidet sogenanntes Baufett (z.B. an der Fußsohle) und Depotfett (z.B. Fettpolster am Bauch). Die Unterhaut stellt die Verbindung zur oberflächlichen Körperfaszie her und dient als Isolierschicht gegen übermäßigen Wärmeverlust. Sie ermöglicht die Verschiebbarkeit der Hautschichten zueinander. Zwischen Unterhaut und Lederhaut verläuft ein Netz von Arterien und Venen, die bis tief in die Lederhaut reichen können.

Unterschiedliche Strukturen der Hautoberfläche

Die Hautoberfläche ist in ihrer Struktur nicht eben und nicht gleichmäßig. Handinnenflächen und Fußsohlen sind dadurch gekennzeichnet, dass die Hautoberfläche hier Leisten zeigt, die durch feine Furchen getrennt sind und parallel zueinander verlaufen. Die Leisten sind ganz individuell angeordnet, was sich Kriminologen (und mittlerweile auch die Industrie) zu Nutze machen, um Personen zu identifizieren (Fingerabdruck).

Leisten- und Felderhaut

 

In der sogenannten Leistenhaut münden viele Schweißdrüsen. Haare und Talgdrüsensekret findet man hingegen in der Leistenhaut nicht.

Die gesamte übrige Hautoberfläche ist von individuellen Feldern gekennzeichnet. Daher hier der Begriff: Felderhaut. Feine Furchen teilen die Haut in polygonale Vielecke, Rauten oder Trapeze (Felder) ein. In den tiefen Schnittpunkten der Furchen treten die Haare aus, ebenso finden hier auch die Talgdrüsen Ihren Ausgang. Auf den höher gelegenen „Feldern“ münden die Schweißdrüsen. Die Felderhaut hat nicht die Stabilität der Leistenhaut. Aufgrund der starken Beanspruchung von Handinnenflächen und Fußsohlen (Greifen, Tasten, Gehen, Laufen) ist eine höhere Stabilität auch sinnvoll. Unser Körper macht sich die Mühe und beschenkt uns mit einer „besonderen“ Haut an Handinnenflächen und Fußsohlen. Bedanken sollten wir uns mit einer „besonderen“ Pflege.